Aus zwei mach eins. Nach diesem Prinzip hat B&W Energy aus Heiden bei Edeka Wilger in Borken eine 750 kwp-Photovoltaikanlage installiert. Aufgeteilt auf die Dachfläche von zwei verschiedenen Gebäuden – dem eigentlichen Edeka Markt und der Wilger Getränkequelle – kann die Anlage dank einer Verbindungsleitung und eines Netzverknüpfungspunktes den erzeugten Strom bündeln und je nach Bedarf des Lebensmittelmarktes genau da nutzen, wo er gerade benötigt wird.

Zwei Anlagen, maximale Stromausbeute

Seit rund einem halben Jahr ist die PV-Anlage auf den Dächern des Edeka-Marktes an der Boumannstraße im Betrieb. 2.236 Solarmodule verteilt auf zwei Dächer mit einer Gesamtfläche von 3.800 Quadratmetern. Um mit der Anlage die maximale Stromausbeute herauszuholen und zu nutzen, hat B&W die Stromanschlüsse an einem Netzverknüpfungspunkt zusammenlaufen lassen. „Durch die gemeinsame Schnittstelle kann die Anlage ihre gesamte Strommenge bündeln und flexibel beide Gebäudeteile versorgen“, erklärt Christian Grönefeld, Projektleiter für Großanlagen bei B&W Energy. Was auf dem Papier einfach aussieht, war in der Umsetzung gar nicht so simpel. Denn: „Um die Netzanschlüsse in der Trafostation von Wilger zusammenzulegen, mussten wir bei laufendem Betrieb unter dem Edeka-Parkplatz ein Kabel verlegen“, beschreibt Grönefeld die Herausforderung. Den Parkplatz aufzubaggern, war allerdings keine Option. „Damit hätten wir un- seren Kunden den Einkauf erschwert. Mehr als die Hälfte der Parkplätze vorübergehend zu sperren, wäre unzumutbar gewesen“, betont Inhaber Heiner Wilger. Deshalb setzte B&W Energy auf das sogenannte Horizontalspülbohrverfahren, mit dem Leerrohre und Leitungen unterirdisch verlegt werden können, ohne die Oberfläche aufbaggern zu müssen. Ein Aufwand, der sich aus Sicht des Betreibers gelohnt hat. Denn in der Summe kann die Anlage rund 620.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr erzeugen und damit 420 Tonnen CO2 sowie 40 Prozent der Stromkosten, die ansonsten bei Wilger entstehen, einsparen. Die Idee, selbst grünen Strom zu produzieren, hatte Heiner Wilger schon länger im Hinterkopf. „2020 haben wir dann Nägel mit Köpfen gemacht und mit dem Team von B&W Energy alle Details geklärt“, blickt er zurück.

Der Edeka-Markt-Inhaber wollte sich damit vor allem wirtschaftlich unabhängig von den steigenden Marktpreisen für Strom aufstellen. „Schon damals deutete sich an, dass sich die Energiekosten erhöhen werden, und die aktuelle Preissteigerunggibt uns recht“, betont Wilger. Gleichzeitig hatte der Unternehmer aber auch den Umweltgedanken im Kopf. „Wir haben mehr Module installiert als wir eigentlich für unseren Bedarf benötigen. Ziel ist es, entsprechend viel grünen Strom ins öffentlichen Netz einzuspeisen und so zum Umweltschutz vor Ort beitragen zu können. Schließlich haben wir die Kapazitäten auf dem Dach unserer Immobilien, also sollte man sie auch nutzen“, verdeutlicht Wilger. Von dem selbst produzierten Strom speist der Lebensmittelmarkt rund 60 Prozent ins Netz ein, 40 Prozent nutzt Wilger selbst. Mit der PV-Anlage kann die Borkener Edeka-Filiale insbesondere dem hohen Strombedarf der Kühlmöbel – also zum Beispiel die Kühlregale für Milch, Joghurt, Aufschnitt und seit neuestem auch Sushi – und der Kühlhäuser der Fleischerei nachkommen. Das seien echte Stromfresser, wie Wilger betont: „Die Kühlungen müssen logischerweise rund um die Uhr laufen, da die Lebensmittel ansonsten ihre Haltbarkeit verlieren.“ Insbesondere an heißen Tagen in den Sommermonaten müssen die Kühlungen die Temperatur konstant halten. Je wärmer es draußen ist, desto mehr muss die Ware im Supermarkt gekühlt werden. „Daher passt es für unsere Zwecke perfekt, dass die PV-Anlage in den warmen Sonnenstunden ihre maximale Leistungsstärke erreicht“, verdeutlicht Wilger. Für die Kühlung in der Nacht muss der Marktinhaber weiterhin Strom hinzukaufen. Denn eine Speichermöglichkeit hat Wilger aktuell nicht. Noch nicht: „Wir haben das Thema Stromspeicher im Hinterkopf und werden uns dazu von B&W Energy beraten lassen“, kündigt Wilger an. Heiko Gehlen, Vertrieb für Gewerbekunden und Großanlagen, ergänzt: „Eine PV-Anlage ist für uns kein Einmal-Geschäft. Es gibt immer wieder Möglichkeiten, nachzujustieren und über weitere Optionen nachzudenken, um das perfekte Ergebnis für den Endverbraucher zu erzielen. Für das Heidener Unternehmen hat er sich übrigens ganz bewusst entschieden: „Wir haben einen Partner aus der Region gesucht. Die ersten Gespräche haben uns direkt überzeugt und die Idee von B&W Energy, die Versorgung der beiden Gebäude miteinander zu verknüpfen, war für uns Gold wert“, freut sich Wilger, der die Leistung seiner Anlage rund um die Uhr mit einer App im Blick behalten kann. „Es ist wirklich spannend zu sehen, an welchen Tagen und Uhrzeiten die Anlage die Höchstleistung erzielt. Die App macht die Anlage sehr transparent“, findet Wilger. In acht bis zehn Jahren wird sich die Investition amortisiert haben. „Die Strompreise werden in den kommenden Jahren weiter steigen. Insofern ist die PV-Anlage für uns eine absolut sinnvolle Investition“, betont er. Die Strompreisentwicklung treibt die Auftragszahlen bei B&W Energy aktuell an. „Die Nachfrage hat sich insbesondere im Bereich der Großanlagen signifikant erhöht. Neben den immer teurer werdenden Preisen für herkömmlichen Strom möchten viele Menschen ihre Versorgung sicherstellen und selbst in der Hand haben. Eine PV-Anlage rechnet sich dabei auf lange Sicht insbesondere für Unternehmen mit einem hohen Stromverbrauch – wie eben Edeka Wilger“, erklärt Gehlen.

Text: Anja Wittenberg
Quelle: Wirtschaft aktuell